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Bad Sobernheim

Das alte, liebenswerte Kurstädtchen mit wunderschön restaurierter Innenstadt ist das einzige, historisch gewachsene Felke-Heilbad Deutschlands. Bad Sobernheim liegt inmitten einer weiten Talniederung der Nahe zwischen Martinstein im Westen und dem Disibodenberg im Osten, begrenzt im Norden von den Berghängen des Soonwaldes und im Süden von den Höhenzügen zwischen Meisenheim und Kirn, den Ausläufern des Westrichs. Die Vegetation der Region ist geprägt durch ein mildes und niederschlagsarmes Klima. Deshalb verwundert es nicht, dass Bad Sobernheim von Weinbergen umgeben ist, die mit zu den besten Lagen an der Nahe zählen. Aber auch sonst gibt es eine Menge zu entdecken: die Matthiaskirche mit der berühmten Stumm-Orgel aus dem Jahre 1738 und den modernen Glasfenstern von Georg Meistermann; zwei spätmittelalterliche Kapellen; das im Jahre 1535 erbaute Rathaus (1860 und 1970 umgestaltet); viele alte Höfe, Patrizier- und Bürgerhäuser, so beispielsweise das "Haus zum kleinen Erker" oder der "Priorhof" von 1572/73 mit seinem Erker aus dem Jahre 1609 (ehemaliger Klosterhof "St. Marienpforte", in dem heute das städtische Museum untergebracht ist) —all dies verleiht dem Städtchen seinen besonderen Reiz. Hätten Sie nicht Lust auf einen kleinen Stadtbummel?

Bad Sobernheim erhielt seine Stadtrechte zum ersten Male im Jahre 1292 (ein weiteres Mal 1324, und zum letzten Male 1330, erneuert 1857) und begann erst um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts über seine mittelalterlichen Stadtmauern hinauszuwachsen. Neben den handwerklich wunderschönen Fachwerkfassaden im Bereich des alten Stadtkerns gibt es aber auch in der Peripherie des Städtchens einige sehr einzigartige und ungewöhnliche Dinge zu sehen. So kann man im Nachtigallental, auf der anderen Seite der Nahe, ein Freilichtmuseum besichtigen, in dem typische Bauernhöfe sowie alle wichtigen Haustypen zu sehen sind, die während der vergangenen Jahrhunderte überall in Rheinland-Pfalz anzutreffen waren und heute weitgehend aus unserem Bewusstsein verschwunden sind. Gemäß der Konzeption des Museums vereinen sich hier in natürlicher Weise Bauernhäuser, Höfe mit Ställen und Scheunen, Werkstätten verschiedener Handwerker, Wohngebäude und Gemeindehäuser zu einem in sich geschlossenen Dorf ("Museumsdörfer"), ergänzt durch zahlreiche kleinere Objekte wie Dorfbrunnen, ländliche Kapellen, Wegekreuze und die steinerne Ruhebänke, die für die Region so typisch waren. Oder man kann den 3.5 km langen Barfußpfad "unter die Füße" nehmen, der am Quellenpavillon seinen Anfang nimmt und als Rundweg beidseits der Nahe entlang führt —ohne Schuhe und Strümpfe selbstverständlich.

Das zu Bad Sobernheim gehörende Winzerdorf Steinhardt lag vor 35 Millionen Jahren, im Zeitalter des Oligozän, am Rande eines flachen subtropischen Meeres, dessen Küstenlinie entlang des Kreuznacher Beckens und der Staudernheimer Bucht verlief. Aus dieser Zeit stammt der Sand, der in den Steinhardter Sandgruben abgebaut wird. In diesem Sand befinden sich die berühmten "Steinhardter Erbsen": runde, erbsenförmige, manchmal auch etwas länglich gestreckte Sandsteinkugeln, in deren Innern häufig pflanzliche und tierische Fossilien eingeschlossen sind. Form und Größe der Sandsteinkugeln lassen dabei häufig auf das eingeschlossenen Fossil schließen (bis zu 17 cm lange Fichtenzapfen hat man gefunden!). Da sich das Meer im mittleren Oligozän durch Hebung des Oberrheingrabens zunächst zurückgezogen hatte, um nach erneuter Absenkung wieder nach Westen bis Bad Sobernheim vorzustoßen, kann man hier zwei Sandschichten unterscheiden: der "untere" und der "obere" Meeressand. Im tieferen Bereich befinden sich die Steinhardter Erbsen mit maritimen Fossilien, während in den Sandsteinkugeln des oberen Bereiches hauptsächlich Pflanzenreste eingeschlossen sind, insbesondere Koniferenzapfen, zumeist von Lärchen, Kiefern und Fichten. Man findet im oberen Meeressand zudem auch zwei verschiedene Schneckenarten. Die Steinhardter Erbsen sind mit großer Wahrscheinlichkeit in Ufernähe in warmen, Bariumchlorid-führenden Thermen entstanden, die es in dieser Art offensichtlich nur in der Region um Steinhardt gab. Die in der unmittelbaren Umgebung solcher Thermen verwesenden Pflanzen und Tiere bildeten Schwefelwasserstoff, welcher mit dem Bariumchlorid der Thermen zu Schwerspat reagierte, wobei der Sand um die Fossilien mit eingeschlossen wurde und versteinerte.

Weiterführende Informationen: Dr. Werner Vogt, Bad Sobernheim —eine kleine Kurstadt an der Nahe; Schnell & Steiner, Regensburg, 1999
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